Das Nierenkarzinom - Frühzeitige Entdeckung und hohe Heilungschancen

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Tumoren der Niere werden häufig zufällig bei Ultraschall- oder Röntgen-Untersuchungen entdeckt. Diese Tumoren sind zwar meist bösartig, können aber geheilt werden, solange die Krebsgeschwulst auf die Niere begrenzt ist. Meist werden Nierentumoren deshalb durch eine Operation entfernt.

Betroffene Patienten beraten wir umfassend über die verschiedenen Operationsverfahren und alternative Therapien. Möchten Sie sich vorab informieren, nutzen Sie unsere Kurz-Informationen, die wir Ihnen hier zusammengestellt haben.

Seltener erkranken Menschen am Nebennierenkarzinom. Auch hier ist bei frühzeitiger Diagnose eine Heilung möglich. Die Entfernung von Nieren- und Nebennierentumoren erfolgt üblicherweise laparoskopisch (minimal-invasiv).

Hier finden Sie einen Überblick zu den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten von Nierentumoren:

Heilung und Organerhalt

Nierentumore werden in der Regel durch eine Operation entfernt. Entsprechend unserem Schwerpunkt streben wir – wann immer möglich – eine sichere Entfernung des Tumors mit Erhalt der gesunden Nierenanteile an. Dies gelingt heute bei der Mehrzahl der Tumoren. Unsere Klinik ist auf die Durchführung Nieren-erhaltender Operationen in minimal-invasiver und ggf. Roboter-assistierter Technik spezialisiert.

Bei sehr ausgedehnten Tumoren kann allerdings eine radikale Nierenentfernung unumgänglich werden. Auch dieser Eingriff wird nach Möglichkeit in minimal-invasiver Technik (Laparoskopie) von uns durchgeführt. In Zusammenarbeit mit erfahrenen Radiologen prüfen wir vor jeder Operation kritisch die Erfolgsaussichten und Risiken einer Nieren- erhaltenden Therapie. Als Patient profitieren Sie von der interdisziplinären Zusammenarbeit und unseren Erfahrungen auf diesem Gebiet.

Radiofrequenzablation

Nierenkrebs wird heute oft im Frühstadium entdeckt. Bei vielen Patienten sind die Tumoren sehr klein. Wenn Nebenerkrankungen das Operationsrisiko deutlich erhöhen, kann eine Radiofrequenzablation sinnvoll sein. Dabei wird eine Sonde durch die Haut bis in den Tumor vorgeschoben und das Krebsgewebe unter Röntgenkontrolle verkocht. Dies ist eine minimal-invasive Maßnahme, für die bisher allerdings keine Langzeitergebnisse vorliegen. Wir führen den Eingriff in Zusammenarbeit mit den Radiologen der Charité durch. Wenn Sie sich für diese Therapiealternative interessieren, sprechen Sie uns bitte an oder vereinbaren Sie einen Termin in unserer Sprechstunde.

Fortgeschrittene Tumoren: Konsequente Therapie wichtig

Auch für Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren ist eine Operation meist sinnvoll, insbesondere wenn noch keine Absiedlungen des Krebses in anderen Organen vorliegen. Die Entfernung der Niere kann dann technisch sehr aufwändig sein und die Öffnung großer Bauchgefäße oder sogar des Herzens notwendig machen. Wir führen derartige Operationen in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Herzchirurgen durch.

Medikamentöse Therapie

Zielgerichtete Therapie
In den letzten Jahren hat sich die Therapie des fortgeschrittenen und metastasierten Nierenkrebses durchgreifend verändert. Heute stehen neue zielgerichtet wirkende Medikamente zur Verfügung. Durch den Einsatz dieser Medikamente konnten die Therapieergebnisse bei den betroffenen Patienten deutlich verbessert werden. Deshalb hat die zielgerichtete Therapie die früher übliche Immuntherapie fast vollständig verdrängt. Die modernen Medikamente stehen entweder als Tabletten oder als Infusionen zur Verfügung. Durch die regelmäßige Teilnahme an klinischen Studien zählt unsere Klinik zu den Therapiezentren mit der größten Erfahrung auf diesem Gebiet. Vor dem Beginn einer solchen zielgerichteten Therapie sollte in der Regel die Entfernung des Nierentumors und die Möglichkeit einer chirurgischen Therapie der Absiedlungen geprüft werden.

Tablettentherapie
Die Tyrosinkinaseinhibitoren Sunitinib (Sutent), Sorafenib (Nexavar) und Votrient (Pazopanib) werden  als Erst- oder Zweitlinientherapie in Tablettenform täglich zuhause eingenommen. Sie erzielen bei der Mehrzahl der Patienten eine zum Teil erhebliche Schrumpfung der Metastasen oder einen Wachstumsstopp und können zu einer Lebensverlängerung führen. Nach Versagen einer Erstlinientherapie kann der mTOR-Inhibitor Everolimus, ebenfalls  eine Therapie in Tablettenform, eingesetzt werden. Derzeit werden weitere Substanzen im Rahmen von Zulassungsstudien getestet. So wurde zuletzt Axitinib in den USA zugelassen. Für Deutschland rechnen wir mit der Zulassung in 2011/2012.

Infusionstherapie
Temsirolimus (Torisel) führt über die Inhibition der mTOR-Kinase zur Hemmung von Angiogenese und Tumorwachstum und ist zur Erstlinientherapie von Patienten mit eher schlechtem Allgemeinzustand oder ausgedehnter Metastasierung zugelassen. Die Verabreichung erfolgt als wöchentliche Kurzinfusion in der Tumorambulanz.

Bevacizumab (Avastin) ist ein Antikörper, der gegen einen Gefäß-Wachstumsfaktor  gerichtet ist und so die Angiogenese hemmt. Beim Nierenzellkarzinom wird Avastin zusammen mit Interferon als Kombination eingesetzt. Die Verabreichung von Avastin erfolgt als 2-wöchentliche Kurzinfusion in der Tumorambulanz, Interferon wird dreimal wöchentlich zuhause gespritzt. Diese Therapie steht ebenfalls als Erstbehandlung zur Verfügung.

Sequenztherapie
Viele unserer Patienten erhalten die oben genannten Substanzen nacheinander. Ergebnisse aktueller klinischer Studien zur optimalen Therapiesequenz werden für 2012 erwartet. Hier finden Sie eine Liste mit den aktuellen Studien zum Nierenzellkarzinom an der Charité Urologie Berlin.

Entfernung von Metastasen

Auch wenn sich schon Tochterabsiedlungen (Metastasen) eines Nierentumors entwickelt haben, kann eine operative Therapie für die betroffenen Patienten sinnvoll sein. Gerade bei Patienten mit wenigen Absiedlungen in anderen Organen streben wir eine Entfernung dieser Metastasen an. Vor einem solchen Eingriff diskutieren wir eingehend die Erfolgsaussichten und Risiken.